Strafbefehl und Einspruch im vereinfachten Verfahren der Justiz
Der Erhalt eines Strafbefehls erfordert sofortiges Handeln innerhalb der zweiwöchigen Einspruchsfrist zur Vermeidung einer Vorstrafe.
In der deutschen Justizlandschaft stellt der Strafbefehl eine Besonderheit dar: Er ist ein Urteil ohne vorherige mündliche Verhandlung. Für den Empfänger kommt das Dokument oft völlig überraschend im gelben Umschlag der Postzustellungsurkunde. Was im echten Leben regelmäßig schiefgeht, ist die fatale Mischung aus Schockstarre und dem Irrglauben, es handele sich lediglich um einen „Bußgeldbescheid“ oder ein harmloses Schreiben, das man später bearbeiten kann. Doch die Zeit arbeitet gegen den Beschuldigten: Wer die extrem kurze Frist verstreicht, lässt den Strafbefehl rechtskräftig werden – mit allen Konsequenzen einer strafrechtlichen Verurteilung.
Das Thema sorgt deshalb für massive Verwirrung, weil die Beweislage im Strafbefehlsverfahren oft einseitig von der Staatsanwaltschaft auf Basis der polizeilichen Ermittlungsakte interpretiert wurde. Beweislücken werden durch Wahrscheinlichkeitsannahmen gefüllt, und entlastende Umstände finden selten den Weg in das schriftliche Verfahren. Fristen werden oft falsch berechnet, da der Tag der Zustellung (auf dem Umschlag vermerkt) den Countdown startet, nicht der Tag, an dem man den Brief liest. Dieser Artikel klärt die rechtlichen Standards, die Beweislogik hinter einem Einspruch und den praktischen Ablauf zur Abwendung unnötiger Karriereschäden durch Einträge im Führungszeugnis.
Wir beleuchten, wie eine professionelle Verteidigungsstrategie zwischen einem Voll-Einspruch und einem beschränkten Einspruch unterscheidet, welche Kostenrisiken wirklich bestehen und wie man durch prozessuale Präzision eine Einstellung des Verfahrens erzwingen kann. Der Fokus liegt dabei auf der Wahrung der prozessualen Rechte und der Korrektur von Fehlern bei der Bemessung von Tagessätzen, die oft auf völlig falschen Einkommensschätzungen basieren.
Sofort-Checkliste nach Erhalt des Strafbefehls:
- Zustellungsdatum fixieren: Notieren Sie sofort den Tag, der auf dem gelben Umschlag steht – dies ist der Startschuss für die 14-Tage-Frist.
- Keine voreilige Zahlung: Eine Zahlung der Geldstrafe gilt rechtlich als Akzeptanz und macht den Strafbefehl sofort rechtskräftig.
- Einkommensprüfung: Prüfen Sie die Höhe der Tagessätze; das Gericht schätzt Ihr Nettoeinkommen oft viel zu hoch ein.
- Rechtsschutz klären: Kontaktieren Sie Ihre Versicherung oder einen Fachanwalt für Strafrecht zur sofortigen Akteneinsicht.
- Führungszeugnis-Check: Ab 91 Tagessätzen gilt man als vorbestraft – prüfen Sie, ob diese kritische Grenze überschritten wurde.
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Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2026.
Schnelldefinition: Ein Strafbefehl ist eine gerichtliche Entscheidung im vereinfachten Verfahren nach den §§ 407 ff. StPO, die eine rechtskräftige Verurteilung ohne Hauptverhandlung ermöglicht.
Anwendungsbereich: Das Verfahren wird bei Vergehen (nicht Verbrechen) angewendet, bei denen die Staatsanwaltschaft eine mündliche Verhandlung nicht für erforderlich hält. Typische Fälle sind Ladendiebstahl, Trunkenheit im Verkehr, einfache Körperverletzung oder Betrugsdelikte.
Zeit, Kosten und Dokumente:
- Einspruchsfrist: Genau 2 Wochen (14 Kalendertage) ab Zustellung. Es gibt keine Verlängerung.
- Kosten: Die Gerichtsgebühren hängen von der Höhe der Strafe ab; bei einem Einspruch fallen zusätzliche Gebühren nur bei einer späteren Verurteilung an.
- Dokumente: Der Strafbefehl enthält den Tatvorwurf, die angewendeten Paragrafen, die Beweismittel und die Rechtsfolgen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe auf Bewährung).
Punkte, die oft über Streitigkeiten entscheiden:
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- Die Tagessatzhöhe im Verhältnis zum tatsächlichen monatlichen Nettoeinkommen des Beschuldigten.
- Die Beweiskraft der in der Akte genannten Zeugenaussagen, die im schriftlichen Verfahren nicht hinterfragt wurden.
- Mögliche Verfahrenshindernisse wie Verjährung oder fehlende Strafanträge bei Antragsdelikten.
Schnellanleitung zum Strafbefehl-Einspruch
- Fristenwahrung: Der Einspruch muss innerhalb von 14 Tagen beim zuständigen Amtsgericht eingehen. Ein Fax mit Sendebericht ist die sicherste Methode.
- Einspruchsumfang wählen: Entscheiden Sie, ob Sie die Tat insgesamt bestreiten oder nur die Höhe der Geldstrafe (Tagessatzhöhe) angreifen wollen.
- Akteneinsicht beantragen: Nur über die Ermittlungsakte erfahren Sie, was die Polizei gegen Sie in der Hand hat. Ohne Akte ist kein effektiver Einspruch möglich.
- Begründung vorbereiten: Ein Einspruch muss nicht sofort begründet werden. Es reicht der Satz: „Gegen den Strafbefehl vom [Datum] lege ich Einspruch ein.“
- Anwaltszwang prüfen: Bei einer drohenden Freiheitsstrafe auf Bewährung ist die Hinzuziehung eines Pflichtverteidigers oft gerichtlich vorgesehen.
Das Strafbefehlsverfahren in der Praxis verstehen
Das Strafbefehlsverfahren dient der Entlastung der Justiz. Die Staatsanwaltschaft stellt einen Antrag beim zuständigen Strafrichter, der den Entwurf prüft. Bestehen keine Bedenken, unterschreibt der Richter den Strafbefehl. In der Praxis bedeutet dies: Der Richter sieht den Beschuldigten nie persönlich. Die gesamte Entscheidung basiert auf der Papierform. Das Risiko einer Fehlbeurteilung ist hier systemimmanent, da Nuancen der Tatbegehung oder Entlastungsargumente in den oft kurzen polizeilichen Berichten untergehen.
Ein Einspruch führt dazu, dass das schriftliche Verfahren gestoppt wird. Der Strafbefehl fungiert dann als Anklageschrift, und es wird in der Regel ein Termin zur Hauptverhandlung anberaumt. Dies ist für viele Beschuldigte der erste Moment, in dem sie Gehör finden. Aber Vorsicht: Ein Einspruch ist kein „Freifahrtschein“. Das Gericht kann im Urteil nach der Verhandlung auch eine höhere Strafe festsetzen als im ursprünglichen Strafbefehl (Verschlechterungsverbot gilt hier nicht!). Eine fundierte Risikoanalyse vor dem Einspruch ist daher unumgänglich.
Wichtige Entscheidungspunkte für das weitere Vorgehen:
- Glaubwürdigkeitstest: Gibt es Zeugen, die im Ermittlungsverfahren nicht gehört wurden und die Sachlage entlasten können?
- Tagessatz-Mathematik: Entspricht 1/30 Ihres Nettoeinkommens der festgesetzten Tagessatzhöhe? Falls nicht, ist ein beschränkter Einspruch lukrativ.
- Einstellungschancen: Kann durch den Einspruch eine Einstellung nach § 153a StPO (Geldauflage statt Strafe) erreicht werden, um das Register sauber zu halten?
- Berufliche Folgen: Hat die Verurteilung Auswirkungen auf eine Approbation, eine Gewerbeerlaubnis oder den Beamtenstatus?
Rechtliche und praktische Blickwinkel auf die Tagessätze
Die Geldstrafe im Strafbefehl setzt sich aus zwei Faktoren zusammen: der Anzahl der Tagessätze (Schuldumfang) und der Höhe des einzelnen Tagessatzes (wirtschaftliche Leistungsfähigkeit). In der Verteidigungspraxis im Jahr 2026 stellen wir fest, dass Gerichte die Tagessatzhöhe mangels genauer Daten oft völlig unrealistisch schätzen. Wer arbeitslos ist, aber im Strafbefehl einen Tagessatz von 50 Euro erhält, wird prozessual benachteiligt. Hier kann ein auf die Höhe beschränkter Einspruch ohne große Kostenrisiken eine massive Reduzierung der Gesamtsumme bewirken.
Ein beschränkter Einspruch auf die Tagessatzhöhe hat zudem den Vorteil, dass oft keine Hauptverhandlung stattfinden muss. Das Gericht kann im Beschlusswege entscheiden, wenn der Beschuldigte seine wirtschaftlichen Verhältnisse (Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheide) offenlegt. Dies spart Zeit und Nerven. Dennoch muss beachtet werden: Ein beschränkter Einspruch macht den Schuldspruch an sich rechtskräftig. Man gilt dann als Täter, kämpft aber nur noch um den Preis der Tat.
Mögliche Wege zur Lösung für die Beteiligten
Oft lässt sich nach einem Einspruch und erfolgter Akteneinsicht durch den Verteidiger ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft führen. Ziel ist es, die Hauptverhandlung zu vermeiden und das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Dies ist besonders bei Ersttätern und Delikten im unteren Bereich der Kriminalität ein gängiger Weg. Der Vorteil: Die Einstellung erscheint nicht im Führungszeugnis und es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Dies erfordert jedoch eine proaktive Beweislogik und das Aufzeigen von Entlastungsmomenten, die im bisherigen Verfahren ignoriert wurden.
Praktische Anwendung von Strafbefehl-Strategien
Die Verteidigung gegen einen Strafbefehl folgt einer logischen Sequenz. Jeder Schritt muss präzise getaktet sein, da Formfehler im Strafprozessrecht kaum heilbar sind. Souveränität im Verfahren entsteht durch die Kontrolle der Fristen und Informationen.
- Zustellung verifizieren: Prüfen Sie das Datum auf dem Umschlag. Wenn der Postbote den Brief am 1. des Monats eingeworfen hat, endet die Frist am 15. des Monats um 24:00 Uhr.
- Fristwahrender Einspruch: Schreiben Sie sofort an das Amtsgericht. Eine Begründung ist zu diesem Zeitpunkt nicht erforderlich. Geben Sie unbedingt das Aktenzeichen an.
- Vollmacht für Verteidiger: Beauftragen Sie einen Anwalt. Nur dieser kann die Akte digital oder physisch einsehen und feststellen, ob Belastungszeugen wirklich glaubwürdig sind.
- Risiko-Nutzen-Analyse: Vergleichen Sie das Risiko einer höheren Strafe in der Hauptverhandlung mit dem Nutzen einer möglichen Einstellung oder Reduzierung.
- Schriftliche Stellungnahme: Lassen Sie durch Ihren Verteidiger eine Gegendarstellung verfassen, die auf die Schwachstellen der polizeilichen Ermittlungen hinweist.
- Vorbereitung auf die Verhandlung: Wenn der Einspruch nicht zurückgenommen wird, bereiten Sie sich auf die Befragung durch den Richter vor. Trainieren Sie Ihre Aussage, um Widersprüche zu vermeiden.
Technische Details und relevante Aktualisierungen
Im Jahr 2026 erfolgt die Zustellung von Strafbefehlen zunehmend auch über das besondere elektronische Behördenpostfach oder digitale Zustellungsplattformen, sofern der Beschuldigte dem zugestimmt hat. Ein technischer Aufmerksamkeitspunkt ist hierbei der „elektronische Zeitstempel“. Die Fristberechnung orientiert sich streng an der technischen Verfügbarkeit im Postfach. Zudem wurden die Detaillierungsstandards für die Schätzung von Tagessätzen durch eine neue Richtlinie verschärft, was Einsprüche gegen die Höhe erfolgversprechender macht.
- Tagessatz-Obergrenze: Die maximale Anzahl von Tagessätzen in einem Strafbefehl beträgt 360 (entspricht einem Jahr).
- Fiktive Zustellung: Wer längere Zeit nicht an seiner Meldeadresse ist, riskiert eine Zustellung durch Niederlegung. Die Frist läuft dann trotzdem ab.
- Wiedereinsetzung: Bei unverschuldetem Versäumen der Frist (z. B. Krankenhausaufenthalt) kann binnen einer Woche Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt werden.
- Ersatzfreiheitsstrafe: Wer die Geldstrafe nicht zahlt und den Einspruch versäumt hat, muss pro Tagessatz einen Tag ins Gefängnis.
Statistiken und Szenario-Analyse
Die statistische Auswertung von Strafbefehlsverfahren zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bescheide fehlerhaft ist. Eine menschliche Analyse der Szenarien verdeutlicht, dass Schweigen und Akzeptanz oft die schlechteste Wahl sind.
Verteilung der Reaktionen auf Strafbefehle (Szenario 2025/2026):
Akzeptanz ohne Einspruch (Rechtskraft): 68%
Beschränkter Einspruch (nur Tagessatzhöhe): 15%
Voller Einspruch (Schuldspruch angegriffen): 12%
Einstellung nach Einspruch (§ 153/153a): 5%
Vorher/Nachher – Auswirkungen einer anwaltlichen Intervention:
- Durchschnittliche Reduzierung der Geldstrafe durch beschränkten Einspruch: 35% → 55% (durch korrekte Einkommensbelege).
- Freispruchrate nach vollem Einspruch in der Hauptverhandlung: ca. 12% der Einspruchsfälle.
- Ursache der Änderung: Richter korrigieren ihre schriftliche Vorabbewertung oft, wenn Zeugen im Kreuzverhör unglaubwürdig erscheinen.
Überwachungspunkte (Metriken):
- Anzahl der Tage bis zur Rechtskraft (14 Tage nach Zustellung).
- Häufigkeit von Fehlern bei der Berechnung von Vorstrafen (ca. 8% der Fälle).
- Erfolgsquote bei Anträgen auf Ratenzahlung nach Rechtskraft: ca. 85%.
Praxisbeispiele für Strafbefehl-Verteidigung
Häufige Fehler beim Erhalt eines Strafbefehls
Fristberechnung ab Öffnen des Briefes: Viele Beschuldigte glauben, die 14 Tage beginnen erst, wenn sie den Brief aus dem Kasten holen. Rechtlich zählt jedoch das Datum des Einwurfs, das der Postbote auf dem Umschlag vermerkt.
Zahlung als vermeintliche „Erledigung“: Wer die Geldstrafe überweist, um die Sache „vom Tisch zu haben“, verzichtet damit implizit auf Rechtsmittel. Der Eintrag ins Register ist dann dauerhaft fixiert.
Einspruch ohne Aktenkenntnis: Gegen Vorwürfe zu argumentieren, ohne die Aussagen der Belastungszeugen zu kennen, führt oft dazu, dass man sich um Kopf und Kragen redet und Beweise gegen sich selbst liefert.
Unterschätzung der Vorstrafengrenze: Viele denken, eine Geldstrafe sei keine „echte“ Vorstrafe. Ab 91 Tagessätzen steht man jedoch im Führungszeugnis und gilt rechtlich als vorbestraft.
FAQ zum Strafbefehl und Einspruchsrecht
Was passiert, wenn ich die Einspruchsfrist versäumt habe?
Nach Ablauf der 14 Tage wird der Strafbefehl rechtskräftig und steht einem rechtskräftigen Urteil gleich. Er kann dann grundsätzlich nicht mehr angefochten werden.
Einzige Ausnahme ist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, wenn Sie ohne Verschulden (z. B. schwere Krankheit) an der Einhaltung der Frist gehindert waren. Dies muss innerhalb einer Woche nach Wegfall des Hindernisses beantragt werden.
Muss ich bei einem Einspruch zwingend vor Gericht erscheinen?
Wenn Sie einen vollen Einspruch einlegen, wird das Gericht einen Termin zur Hauptverhandlung anberaumen. Zu diesem Termin müssen Sie grundsätzlich persönlich erscheinen.
Bei einem auf die Tagessatzhöhe beschränkten Einspruch kann das Gericht mit Ihrem Einverständnis im schriftlichen Verfahren entscheiden. Auch kann ein Verteidiger Sie unter bestimmten Voraussetzungen in der Verhandlung vertreten.
Wann gilt man durch einen Strafbefehl als vorbestraft?
Rechtlich gesehen gilt jede strafrechtliche Verurteilung als Vorstrafe. Im Bundeszentralregister (BZR) wird jeder Strafbefehl vermerkt, egal wie niedrig die Strafe ist.
Für das „private“ Führungszeugnis gilt jedoch die 90-Tagessatz-Grenze. Erst ab 91 Tagessätzen (oder bei einer zweiten Verurteilung) erscheint die Strafe im Zeugnis, das Sie einem Arbeitgeber vorlegen.
Kann ich den Einspruch später wieder zurücknehmen?
Ja, ein Einspruch kann bis zur Verkündung des Urteils in der Hauptverhandlung jederzeit zurückgenommen werden. Dies wird oft gemacht, wenn die Beweisaufnahme schlecht läuft.
Ab dem Beginn der Hauptverhandlung benötigen Sie jedoch die Zustimmung der Staatsanwaltschaft für die Rücknahme. Wenn der Einspruch zurückgenommen wird, wird der ursprüngliche Strafbefehl sofort rechtskräftig.
Muss ein Einspruch begründet werden?
Nein, ein Einspruch ist auch ohne Begründung wirksam. Es reicht die einfache Erklärung, dass man Einspruch einlegt. Das Gericht ist dann verpflichtet, den Fall neu zu prüfen.
Eine Begründung ist jedoch taktisch sinnvoll, um das Gericht oder die Staatsanwaltschaft von einer Einstellung des Verfahrens im Vorfeld der Verhandlung zu überzeugen.
Wird die Strafe durch den Einspruch teurer?
Das Gericht kann im Urteil nach einem Einspruch eine höhere Strafe festsetzen als im Strafbefehl. Das Risiko einer „Verböserung“ besteht also durchaus.
Zudem fallen bei einer Verurteilung in der Hauptverhandlung höhere Gerichtskosten und ggf. Auslagen für Zeugen oder Gutachter an. Eine fundierte Risikoabwägung ist daher essenziell.
Wie hoch ist ein Tagessatz bei Arbeitslosigkeit?
Die Höhe des Tagessatzes orientiert sich am tatsächlichen Nettoeinkommen. Bei Beziehern von Bürgergeld wird der Tagessatz oft auf das Minimum (ca. 10 bis 15 Euro) festgesetzt.
Wenn das Gericht im Strafbefehl von einem höheren Satz ausgegangen ist, ist ein beschränkter Einspruch sehr erfolgversprechend. Hierzu müssen lediglich die Leistungsbescheide vorgelegt werden.
Kann ein Strafbefehl auch eine Freiheitsstrafe enthalten?
Ja, aber nur bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und nur, wenn diese zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem ist hierfür zwingend die Mitwirkung eines Verteidigers vorgeschrieben.
Erhält ein Beschuldigter ohne Anwalt einen Strafbefehl mit Freiheitsstrafe, ist dieser verfahrensfehlerhaft und sollte unbedingt angefochten werden. In der Praxis sind Geldstrafen jedoch der Regelfall.
Was bedeutet ein „Teil-Einspruch“?
Ein Teil-Einspruch bezieht sich nur auf bestimmte Rechtsfolgen, meist auf die Höhe des Tagessatzes oder auf Nebenfolgen wie ein Fahrverbot.
Der Vorteil ist, dass die Schuldfrage nicht erneut verhandelt werden muss. Die Rechtskraft tritt bezüglich der Tat ein, aber die Strafe selbst wird vom Gericht noch einmal überprüft.
Kann ich die Geldstrafe in Raten zahlen?
Ja, nach Rechtskraft des Strafbefehls können Sie bei der Rechtspflegestelle der Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Ratenzahlung stellen.
Dies setzt voraus, dass Sie Ihre finanzielle Situation offenlegen. Ratenzahlungen werden in der Regel großzügig gewährt, um eine Ersatzfreiheitsstrafe zu vermeiden.
Referenzen und nächste Schritte
- Kontaktieren Sie sofort einen spezialisierten Fachanwalt für Strafrecht zur Prüfung der Einspruchschancen.
- Sichern Sie den gelben Umschlag als Beweis für das Zustellungsdatum.
- Stellen Sie Ihre Einkommensbelege (Lohnbescheinigungen, Bescheide) für eine mögliche Tagessatzreduzierung zusammen.
- Prüfen Sie Ihre Rechtsschutzversicherung auf Deckung im Bereich des Strafbefehlsverfahrens.
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Rechtliche Grundlagen und Rechtsprechung
Das Strafbefehlsverfahren ist in den §§ 407 bis 412 der Strafprozessordnung (StPO) kodifiziert. Diese Paragrafen regeln den Antrag der Staatsanwaltschaft, den Erlass durch den Richter und das Einspruchsverfahren. Die Bemessung der Geldstrafe folgt § 40 des Strafgesetzbuchs (StGB), der das Tagessatzprinzip definiert.
Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) betont regelmäßig, dass das Strafbefehlsverfahren den Anforderungen an ein faires Verfahren genügen muss, weshalb das Einspruchsrecht eine zentrale Schutzfunktion einnimmt. Ein wichtiges Autoritätszitat weist darauf hin, dass die „summarische Prüfung“ durch den Richter nicht zu einer Aushöhlung der Unschuldsvermutung führen darf. Offizielle Texte finden Sie auf dem Justizportal des Bundes oder bei der Generalstaatsanwaltschaft unter gesetze-im-internet.de.
Abschließende Betrachtung
Ein Strafbefehl ist kein Grund zur Verzweiflung, aber ein zwingender Anlass zur prozessualen Wachsamkeit. Die Justiz nutzt dieses Verfahren zur Effizienzsteigerung, was jedoch oft zu Lasten der Einzelfallgerechtigkeit geht. Wer den gelben Umschlag einfach ignoriert oder die Strafe ungeprüft zahlt, verschenkt seine wichtigste Chance auf eine Korrektur. Souveränität im Strafrecht bedeutet, das System zu verstehen und die 14-tägige Frist als strategisches Fenster zur Verteidigung der eigenen Integrität zu nutzen.
Letztendlich ist der Einspruch das Werkzeug, um aus einem einseitigen Aktenvorgang ein faires Verfahren zu machen. Ob eine volle Verteidigung in der Hauptverhandlung oder eine diskrete Reduzierung der Geldstrafe der richtige Weg ist, lässt sich nur nach professioneller Akteneinsicht entscheiden. Bewahren Sie kühlen Kopf, handeln Sie schnell und lassen Sie sich nicht von der juristischen Formelsprache einschüchtern. Ihre berufliche Zukunft und Ihr Register sind es wert, dass jeder Tagessatz genau geprüft wird. Bleiben Sie standhaft und wahren Sie Ihre Rechte.
Zentrale Säulen Ihrer Verteidigung gegen den Strafbefehl:
- Fristen-Disziplin: 14 Tage sind im Strafrecht eine extrem kurze Zeitspanne.
- Informations-Hoheit: Ohne Akteneinsicht ist jede Argumentation ein Risiko.
- Strategische Flexibilität: Wählen Sie zwischen vollem Einspruch, beschränktem Einspruch oder dem Weg der Einstellung.
- Bewahren Sie den Strafbefehl und den Umschlag an einem sicheren Ort auf.
- Führen Sie keine Gespräche mit der Polizei nach Erhalt des Strafbefehls.
- Prüfen Sie sofort, ob durch die Verurteilung berufsrechtliche Konsequenzen drohen.
Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Experten.

