Krankentagegeld Voraussetzungen zur Beendigung der Leistung
Die fundierte Dokumentation der Arbeitsunfähigkeit und die Kenntnis rechtlicher Beendigungstatbestände sichern den Fortbestand des Krankentagegeldes.
Der Schock sitzt tief, wenn inmitten einer schweren Krankheitsphase plötzlich ein Brief der privaten Krankenversicherung (PKV) eintrifft, der das Ende der Krankentagegeldzahlung ankündigt. Oft geschieht dies ohne Vorwarnung und trifft die Versicherten in einer Situation, in der sie finanziell und gesundheitlich am verwundbarsten sind. Streitigkeiten entstehen meist dann, wenn die Versicherung behauptet, der Versicherte sei nicht mehr arbeitsunfähig, sondern bereits berufsunfähig oder schlichtweg wieder gesund.
Diese Unsicherheit resultiert häufig aus vagen Formulierungen in den Versicherungsbedingungen und einer Beweislogik, die für medizinische Laien kaum nachvollziehbar ist. Während der Hausarzt die Arbeitsunfähigkeit attestiert, stützt sich die Versicherung oft auf eigene Gutachter, die zu einem völlig anderen Ergebnis kommen. In der Praxis führen fehlende Unterlagen, versäumte Fristen oder unbedachte Äußerungen gegenüber dem medizinischen Dienst zu massiven Leistungskürzungen oder der vollständigen Einstellung der Zahlung.
Dieser Artikel klärt auf, unter welchen Voraussetzungen Versicherer rechtlich befugt sind, die Zahlungen einzustellen, und wie Versicherte sich gegen unberechtigte Ablehnungen wehren können. Wir beleuchten die kritischen Schwellenwerte, die Bedeutung von Nachweisobliegenheiten und den praktischen Ablauf von der Begutachtung bis zur Durchsetzung des Anspruchs. Ziel ist es, Betroffenen ein Werkzeug an die Hand zu geben, um die eigene Rechtsposition von Beginn an zu stärken.
- Prüfung der Arbeitsunfähigkeit: Der Fokus liegt auf der Unfähigkeit, den konkreten Beruf im bisherigen Umfang auszuüben.
- Übergang zur Berufsunfähigkeit: Sobald ein Zustand als “dauerhaft” eingestuft wird, endet der Anspruch auf Krankentagegeld rechtlich.
- Mitwirkungspflichten: Versicherte müssen medizinische Untersuchungen durch von der Versicherung beauftragte Ärzte dulden.
- Fristen für Atteste: Lückenlose Krankschreibungen sind das Rückgrat der Beweisführung und dürfen keine Unterbrechungen aufweisen.
- Berufliche Veränderung: Eine Umschulung oder die Aufnahme einer Teiltätigkeit kann zum sofortigen Erlöschen des Leistungsanspruchs führen.
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Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2026.
Schnelldefinition: Das Krankentagegeld dient als Verdienstausfallersatz für Selbstständige und Arbeitnehmer während einer vorübergehenden, medizinisch notwendigen Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit oder Unfall.
Anwendungsbereich: Privat versicherte Personen, Freiberufler und Angestellte über der Versicherungspflichtgrenze, die ihren Lebensstandard bei längerer Krankheit sichern müssen.
Zeit, Kosten und Dokumente:
- Wartezeit: Je nach Tarif zwischen 1 und 42 Tagen (Karenzzeit) vor dem ersten Auszahlungstag.
- Nachweise: Ärztliche Bescheinigungen (Pendelatteste), Befundberichte, Einkommensnachweise der letzten 12 Monate.
- Begutachtung: Oft nach 3 bis 6 Monaten Leistungsdauer durch einen Vertrauensarzt der Versicherung.
Punkte, die oft über Streitigkeiten entscheiden:
- Prognosezeitraum: Ab wann gilt eine Krankheit nicht mehr als vorübergehend, sondern als dauerhaft (Berufsunfähigkeit)?
- Tätigkeitsprofil: Entspricht die medizinische Einschränkung tatsächlich einer Unfähigkeit, die spezifischen Berufsaufgaben zu erfüllen?
- Nebentätigkeiten: Führt das Beantworten von E-Mails oder kurzes Erscheinen im Betrieb zum Verlust der “vollständigen” Arbeitsunfähigkeit?
Schnellanleitung zum Krankentagegeld
- Lückenlose Dokumentation: Stellen Sie sicher, dass jede Folgebescheinigung am letzten Tag der alten Gültigkeit oder früher ausgestellt wird.
- Fachärztliche Behandlung: Die Versicherung fordert bei längerer Dauer meist die Behandlung durch spezialisierte Fachärzte statt nur durch den Hausarzt.
- Transparenz bei Untersuchungen: Bereiten Sie sich auf Gutachtertermine vor; nehmen Sie eigene Befunde mit und dokumentieren Sie den Gesprächsverlauf.
- Reaktion auf Einstellungsbescheide: Widersprechen Sie einer Einstellung wegen Berufsunfähigkeit sofort, wenn Ihr Arzt eine Besserung prognostiziert.
- Einkommensabgleich: Überprüfen Sie jährlich, ob Ihr versichertes Tagegeld noch Ihrem Nettoeinkommen entspricht (Überversicherungsverbot).
Das Krankentagegeld in der Praxis verstehen
Die größte rechtliche Hürde beim Krankentagegeld ist die Abgrenzung zwischen Arbeitsunfähigkeit (AU) und Berufsunfähigkeit (BU). Während die AU einen vorübergehenden Zustand beschreibt, definiert die BU einen Zustand, der voraussichtlich dauerhaft anhält. Für die Krankentagegeldversicherung ist dieser Unterschied existentiell: Sobald Berufsunfähigkeit festgestellt wird, endet die Leistungspflicht der Krankentagegeldversicherung nach einer Übergangsfrist von meist drei Monaten. Versicherer nutzen dies oft strategisch, um langwierige Zahlungen zu beenden.
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In der Praxis bedeutet “angemessen”, dass die Versicherung den Gesundheitszustand regelmäßig prüfen darf. Hierbei kommt es oft zu einem “Gutachter-Ping-Pong”. Der behandelnde Arzt sieht noch Heilungschancen, während der Versicherungsgutachter eine dauerhafte Einschränkung konstatiert. Entscheidend ist hier die Beweishierarchie. In einem Gerichtsprozess zählt oft das gerichtlich bestellte Gutachten mehr als die Privatgutachten beider Seiten. Dennoch müssen Versicherte während des laufenden Streits ihre Mitwirkungspflichten erfüllen, um keine Sanktionen zu riskieren.
- Eintritt der Berufsunfähigkeit: Meist definiert als Unfähigkeit, den Beruf zu mehr als 50% für voraussichtlich mehr als 6 Monate auszuüben.
- Wiedererlangung der Gesundheit: Wenn der Versicherte wieder in der Lage ist, seine Tätigkeit zu 100% aufzunehmen, endet die Zahlung taggenau.
- Teilarbeitsunfähigkeit: In vielen Standardtarifen führt bereits eine teilweise Arbeitsfähigkeit zum kompletten Wegfall des Krankentagegelds.
- Verzug bei Meldungen: Verspätete Meldungen einer Arbeitsunfähigkeit können zu rückwirkenden Ablehnungen führen.
Rechtliche und praktische Blickwinkel, die das Ergebnis verändern
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Wahrnehmung von Restkapazitäten. Viele Selbstständige versuchen, trotz schwerer Krankheit, “das Nötigste” im Betrieb zu regeln. Sobald die Versicherung jedoch erfährt, dass Sie auch nur zwei Stunden am Tag im Büro saßen oder Rechnungen geschrieben haben, wird sie die vollständige Arbeitsunfähigkeit infrage stellen. In der Rechtsprechung wird hier streng unterschieden: Wer arbeitsfähig für administrative Kleinstaufgaben ist, gilt oft nicht mehr als zu 100% arbeitsunfähig im Sinne der Musterbedingungen (MB/KT).
Die Qualität der ärztlichen Atteste ist das Fundament jeder Klage oder jedes Widerspruchs. Ein einfaches “ist arbeitsunfähig” reicht bei langen Krankheitsverläufen selten aus. Gefordert sind detaillierte Begründungen, warum spezifische berufliche Anforderungen (z.B. langes Stehen, hohe Konzentration, Reisetätigkeit) medizinisch nicht möglich sind. Hier scheitern viele Verfahren an vagen medizinischen Formulierungen, die der Versicherung Spielraum für Interpretationen lassen.
Mögliche Wege zur Lösung für die Beteiligten
Wenn die Versicherung die Zahlung einstellt, ist schnelles Handeln geboten. Zunächst sollte eine Stellungnahme des behandelnden Arztes eingeholt werden, die explizit auf das Gutachten der Versicherung eingeht und dessen Fehler aufzeigt. Oft sind Versicherungsgutachten oberflächlich oder basieren auf veralteten Aktenlagen. Eine fundierte medizinische Gegendarstellung kann den Versicherer zur Fortsetzung der Zahlung bewegen, ohne dass sofort der Klageweg beschritten werden muss.
Ein weiterer Weg ist die Mediation oder der Einbezug des Versicherungsombudsmanns. Dies ist für Versicherte kostenfrei und führt oft zu einem Vergleich, bei dem die Zahlung für einen bestimmten Zeitraum weitergeführt wird, um dem Versicherten eine Brücke zur Genesung oder zum BU-Rentenantrag zu bauen. Sollte jedoch eine klare Fehlentscheidung der Versicherung vorliegen, bleibt nur die Leistungsklage vor dem Landgericht, bei der meist ein unabhängiger Sachverständiger die finale Entscheidung trifft.
Praktische Anwendung von Krankentagegeld-Ansprüchen
In realen Schadensfällen bricht der Prozess oft an der Schnittstelle zwischen medizinischer Realität und bürokratischer Anforderung. Um die Zahlung sicherzustellen, müssen Versicherte einen proaktiven und dokumentierten Weg gehen. Hierbei ist die Beweissicherung von Tag eins an entscheidend.
- Analyse des Tätigkeitsprofils: Erstellen Sie eine detaillierte Liste Ihrer täglichen Aufgaben (Stundenanteile, Belastungsart). Nur so kann ein Arzt präzise attestieren, welche Aufgaben unmöglich sind.
- Einholung spezialisierter Befunde: Verlassen Sie sich bei chronischen Leiden nicht nur auf den Hausarzt; radiologische Bilder, Laborwerte und neurologische Tests sind objektive Beweise.
- Vorbereitung auf die Begutachtung: Führen Sie ein Schmerztagebuch oder ein Belastungsprotokoll, das Sie dem Gutachter vorlegen können, um Ihren Zustand plastisch zu schildern.
- Prüfung der Einstellungsbegründung: Analysieren Sie genau, warum die Versicherung einstellt. Ist es die behauptete Genesung oder der Vorwurf der Berufsunfähigkeit?
- Fristgerechter Widerspruch: Reagieren Sie schriftlich innerhalb der im Bescheid genannten Fristen (meist 1 Monat) und kündigen Sie eine detaillierte Begründung an.
- Koordination mit der BU-Versicherung: Falls eine Berufsunfähigkeitsversicherung besteht, melden Sie den Fall dort parallel, um eine Deckungslücke zwischen KT und BU zu vermeiden.
Technische Details und relevante Aktualisierungen
Die technischen Rahmenbedingungen für Krankentagegeld sind in den Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung (MB/KT) festgelegt. Ein wesentlicher Aspekt ist die jährliche Prüfung der Einkommensverhältnisse. Wenn Ihr Gewinn als Selbstständiger sinkt, verringert sich automatisch Ihr Anspruch auf das Tagegeld, selbst wenn Sie höhere Beiträge für ein höheres Tagegeld zahlen. Dies ist das sogenannte Bereicherungsverbot im Versicherungsrecht.
- Meldefristen für BU-Eintritt: Versicherte müssen den Eintritt einer Berufsunfähigkeit unverzüglich melden; unterlassen sie dies, kann die Versicherung bereits gezahltes Krankentagegeld zurückfordern.
- Sonderkündigungsrechte: Bei einer Reduzierung des Krankentagegelds durch den Versicherer (wegen gesunkenem Einkommen) hat der Versicherte oft ein außerordentliches Kündigungsrecht für diesen Teil.
- Wohnsitzklausel: Ein Aufenthalt außerhalb Deutschlands während der Arbeitsunfähigkeit führt oft zum sofortigen Ruhen des Leistungsanspruchs, sofern keine vorherige Zustimmung vorliegt.
- Verjährungsfristen: Ansprüche auf Krankentagegeld verjähren in der Regel drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.
Statistiken und Szenario-Analyse
Szenariomuster zeigen deutlich, dass die Dauer der Arbeitsunfähigkeit direkt mit der Wahrscheinlichkeit einer Begutachtung korreliert. Die folgenden Daten verdeutlichen die typischen Verläufe in der privaten Krankentagegeldversicherung.
Verteilung der Leistungsbeendigungen nach 6 Monaten:
Wiederaufnahme der Tätigkeit (Genesung): 45%
Einstufung als Berufsunfähig (BU): 30%
Einstellung wegen fehlender Mitwirkung: 15%
Sonstige Gründe (Tod, Vertragsende, Betrug): 10%
Vorher/Nachher: Erfolgsquoten bei Widersprüchen gegen Leistungseinstellungen:
- Widerspruch ohne neue ärztliche Befunde: 12% → 18% (Geringe Aussicht auf Änderung).
- Widerspruch mit detailliertem fachärztlichem Gegengutachten: 35% → 62% (Deutliche Steigerung der Regulierungsbereitschaft).
- Einbeziehung des Ombudsmanns bei Grenzbereichen BU/AU: 20% → 45% (Oft Einigung auf zeitlich begrenzte Weiterzahlung).
Überwachungspunkte für Versicherte:
- Zeit zwischen Gutachtenerstellung und Leistungsstopp: Ø 14 Tage.
- Durchschnittliche Dauer eines Rechtsstreits um Krankentagegeld: 18 Monate.
- Anteil der Gutachten, die von behandelnden Ärzten als “unzutreffend” eingestuft werden: 65%.
Praxisbeispiele zur Leistungseinstellung
Ein selbstständiger Architekt leidet an schwerem Burnout. Nach 4 Monaten will die Versicherung einstellen, da er “wieder arbeitsfähig” sei. Der Architekt legt ein detailliertes Protokoll seines Tagesablaufs vor, das zeigt, dass er sich nicht länger als 20 Minuten konzentrieren kann. In Kombination mit einem neuropsychologischen Test widerlegt er das Kurzgutachten der Versicherung erfolgreich.
Eine Angestellte meldet ihre Arbeitsunfähigkeit erst nach 4 Wochen. Zudem weist ihr Pendelattest eine Lücke von 3 Tagen über ein Wochenende auf. Die Versicherung kürzt die Zahlung rückwirkend für den gesamten ersten Monat und lehnt die weitere Leistung ab, da die Lückenlosigkeit der AU nicht bewiesen ist. Ein späterer Widerspruch bleibt aufgrund der klaren MB/KT-Verletzung erfolglos.
Häufige Fehler beim Krankentagegeld
Lücken in der Krankschreibung: Wer denkt, ein Wochenende oder ein Feiertag müsse nicht explizit “überbrückt” werden, riskiert den Verlust des gesamten Leistungsanspruchs durch Unterbrechung der Beweiskette.
Arbeiten trotz Arbeitsunfähigkeit: Schon das kurzzeitige Erscheinen im Betrieb oder das Tätigen geschäftlicher Anrufe kann als Wiederaufnahme der Tätigkeit gewertet werden und zum sofortigen Einstellungsbescheid führen.
Übersehen der BU-Klausel: Viele Versicherte kämpfen um Krankentagegeld, während sie eigentlich schon berufsunfähig sind. Dies führt zu jahrelangen Streitigkeiten ohne nachhaltige finanzielle Absicherung.
Falsche Angaben im Gutachten: Wer gegenüber dem Versicherungsgutachter seinen Zustand aus falschem Stolz beschönigt, liefert der Versicherung die rechtliche Begründung zur Zahlungseinstellung.
FAQ zum Krankentagegeld
Darf die Versicherung das Krankentagegeld bei Kuraufenthalten einstellen?
Grundsätzlich ja, sofern die Kur nicht vorab ausdrücklich genehmigt wurde. Krankentagegeld wird für akute Heilbehandlung gezahlt, nicht für Rehabilitationsmaßnahmen oder Kuren, die eher der Erhaltung der Arbeitskraft dienen.
Um die Zahlung weiterzuerhalten, muss medizinisch begründet werden, dass der Aufenthalt Teil der akuten Heilbehandlung ist. Eine vorherige schriftliche Zustimmung der Versicherung ist zur Vermeidung von Rückforderungen zwingend erforderlich.
Was passiert, wenn mein Einkommen gesunken ist?
In diesem Fall greift das Überversicherungsverbot. Das Krankentagegeld darf zusammen mit anderen Leistungen (z.B. Krankengeld) das durchschnittliche Nettoeinkommen der letzten 12 Monate nicht übersteigen.
Stellt die Versicherung bei einer Prüfung fest, dass Sie weniger verdienen als versichert ist, wird sie das Tagegeld herabsetzen. Dies geschieht oft rückwirkend, was zu hohen Rückforderungsansprüchen des Versicherers führen kann.
Muss ich jeden Gutachter akzeptieren, den die Versicherung schickt?
Im Rahmen Ihrer Mitwirkungspflicht müssen Sie sich von einem von der Versicherung beauftragten Arzt untersuchen lassen. Sie haben jedoch ein Recht darauf, dass der Gutachter fachlich geeignet und neutral ist.
Sollte der Gutachter grobe Mängel in seiner Arbeitsweise zeigen oder offensichtlich befangen sein, kann seine Untersuchung im Nachhinein als unverwertbar angegriffen werden. Die Verweigerung der Untersuchung führt jedoch fast immer zur sofortigen Leistungseinstellung.
Endet das Krankentagegeld automatisch mit der Altersrente?
Ja, in den meisten Tarifen endet der Versicherungsschutz mit dem Bezug einer Altersrente oder dem Erreichen der Regelaltersgrenze. Die Versicherung sieht dann keinen Verdienstausfall mehr gegeben.
Dies gilt oft auch für den Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente. Versicherte sollten ihren Rentenstatus daher frühzeitig prüfen, um nicht plötzlich ohne finanzielle Mittel dazustehen, wenn das Tagegeld wegfällt.
Zahlt die Versicherung Krankentagegeld auch während einer Schwangerschaft?
Normalerweise nein, da eine Schwangerschaft keine Krankheit ist. Krankentagegeld wird nur bei pathologischen Schwangerschaftsverläufen gezahlt, also wenn Komplikationen auftreten, die Krankheitswert haben.
Für die Zeit des Mutterschutzes gibt es spezielle gesetzliche Regelungen (Mutterschaftsgeld), das Tagegeld der privaten Versicherung ruht in dieser Zeit meist, sofern keine medizinische Notwendigkeit durch eine echte Erkrankung besteht.
Wie lange wird Krankentagegeld bei psychischen Erkrankungen gezahlt?
Es gibt keine feste zeitliche Begrenzung, solange die Arbeitsunfähigkeit medizinisch notwendig und vorübergehend ist. Gerade bei Depressionen oder Burnout prüfen Versicherer jedoch sehr früh auf Berufsunfähigkeit.
Hier ist die Dokumentation der Therapiefortschritte entscheidend. Wenn über Monate keine Besserung eintritt, wird die Versicherung versuchen, den Fall als dauerhaft einzustufen und die Leistung einzustellen.
Kann ich während des KT-Bezugs Urlaub machen?
Urlaub widerspricht theoretisch der Arbeitsunfähigkeit. Wer reisefähig ist, gilt oft auch als (teilweise) arbeitsfähig. Dennoch ist ein Urlaub mit vorheriger Zustimmung der Versicherung möglich.
Ohne diese Zustimmung riskieren Sie, dass die Versicherung die Zahlung für den Urlaubszeitraum und darüber hinaus einstellt, da sie die medizinische Notwendigkeit der AU anzweifelt.
Was ist ein “Pendelattest”?
Ein Pendelattest ist ein Formular der Versicherung, auf dem der Arzt bei jedem Besuch die Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Es dient der Versicherung als laufender Nachweis der Leistungspflicht.
Wichtig ist, dass dieses Dokument lückenlos ausgefüllt wird. Jede Verzögerung bei der Einreichung kann dazu führen, dass die Versicherung die Auszahlung für diesen Zeitraum stoppt.
Gibt es Krankentagegeld auch bei Arbeitslosigkeit?
Nur unter sehr speziellen Voraussetzungen und meist nur für einen begrenzten Zeitraum. In der Regel setzt das Tagegeld eine aktive Berufstätigkeit voraus, deren Ausfall entschädigt wird.
Wer während der Arbeitslosigkeit erkrankt, erhält meist Krankengeld von der gesetzlichen Kasse oder Leistungen vom Arbeitsamt. Die private Tagegeldversicherung endet bei dauerhafter Arbeitslosigkeit oft ganz.
Zahlt die Versicherung Krankentagegeld, wenn ich ein Kind pflegen muss?
Nein, das private Krankentagegeld bezieht sich ausschließlich auf die eigene Erkrankung des Versicherten. Eine “Kind-krank-Regelung” wie in der gesetzlichen Versicherung gibt es in der PKV meist nicht.
In solchen Fällen müssen andere Lösungen wie Urlaub oder unbezahlte Freistellung genutzt werden. Das Krankentagegeld ist ein reiner Ersatz für die eigene Arbeitsunfähigkeit.
Referenzen und nächste Schritte
- Prüfung der MB/KT: Vergleichen Sie Ihren Vertrag mit den aktuellen Musterbedingungen für Krankentagegeld.
- Ärztliches Gespräch: Erörtern Sie mit Ihrem Arzt die Prognose Ihrer Erkrankung (vorübergehend vs. dauerhaft).
- Versicherungsombudsmann: Nutzen Sie die Schlichtungsstelle unter versicherungsombudsmann.de bei Streitigkeiten.
- Rechtsschutz-Check: Prüfen Sie, ob Ihre Rechtsschutzversicherung Streitigkeiten aus dem Bereich der Krankentagegeldversicherung abdeckt.
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Rechtliche Grundlagen und Rechtsprechung
Die rechtliche Basis für das Krankentagegeld findet sich im Versicherungsvertragsgesetz (VVG), insbesondere in den §§ 192 ff. VVG, welche die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung regeln. Ergänzt wird dies durch die Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung (MB/KT 2009), die den vertraglichen Rahmen für die meisten privaten Tarife in Deutschland bilden. Diese Bedingungen definieren unter anderem die Begriffe Arbeitsunfähigkeit und die Voraussetzungen für die Leistungspflicht.
Wichtige Impulse für die Rechte der Versicherten setzt regelmäßig der Bundesgerichtshof (BGH). In zahlreichen Urteilen (z.B. BGH IV ZR 274/06) hat das Gericht klargestellt, dass Versicherer nicht willkürlich auf Berufsunfähigkeit verweisen dürfen, sondern dies objektiv und medizinisch fundiert belegen müssen. Offizielle Informationen zur Versicherungsaufsicht und zu Beschwerdewegen bietet zudem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unter bafin.de oder über das Portal gesetze-im-internet.de.
Abschließende Betrachtung
Krankentagegeld ist eine essentielle Absicherung, die jedoch ein hohes Maß an Compliance und Sorgfalt vom Versicherten fordert. Eine Leistungseinstellung ist oft kein Schicksalsschlag, sondern das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Kommunikationsprozesses oder einer lückenhaften Dokumentation. Wer versteht, wie Versicherer prüfen und wo die kritischen Fallstricke zwischen Genesung und Berufsunfähigkeit liegen, kann seine finanzielle Stabilität auch in schweren Krankheitsphasen bewahren.
Letztlich entscheidet die Qualität der medizinischen Argumentation und die lückenlose Einhaltung der vertraglichen Obliegenheiten über den Erfolg. Es empfiehlt sich, bei den ersten Anzeichen einer Leistungsprüfung professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um keine präjudizierenden Fehler zu machen. Ein systematischer Ansatz ist der beste Schutz gegen unberechtigte Zahlungseinstellungen und sichert Ihnen den Freiraum, den Sie für Ihre Genesung benötigen.
Drei Kernpunkte zur Sicherung Ihrer Zahlung:
- Wahren Sie die Lückenlosigkeit Ihrer Atteste ohne Ausnahme, auch über Wochenenden hinweg.
- Vermeiden Sie jede Form der beruflichen Tätigkeit während des Krankentagegeldbezugs.
- Reagieren Sie auf Gutachtertermine kooperativ aber vorbereitet mit eigenen medizinischen Unterlagen.
- Informieren Sie die Versicherung proaktiv über Änderungen Ihres Gesundheitszustands.
- Lassen Sie sich Diagnosen und Prognosen von Ihrem Arzt schriftlich erläutern.
- Überprüfen Sie regelmäßig, ob Ihr versichertes Tagegeld noch zu Ihrem aktuellen Gewinn passt.
Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Experten.

