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AGB Gestaltung und wirksame Einbeziehung im Onlinehandel

Die rechtssichere Gestaltung von Online-Shop-AGB vermeidet kostspielige Abmahnungen durch die Eliminierung unwirksamer Klauseln.

In der digitalen Handelslandschaft des Jahres 2026 hat sich der regulatorische Druck auf Online-Händler massiv verschärft. Während viele Betreiber glauben, mit einem standardisierten “Copy-Paste”-Dokument rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, zeigt die Realität ein anderes Bild: Beweislücken in der Einbeziehung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und inhaltliche Mängel führen immer häufiger zu Eskalationen. Es sind oft die kleinen, scheinbar nebensächlichen Formulierungen, die in einem wettbewerbsrechtlichen Streitfall das Zünglein an der Waage darstellen und zu massiven Abzügen in der juristischen Belastbarkeit führen.

Warum dieses Thema für so viel Verwirrung sorgt, liegt primär an der inkonsistenten Praxis und den vagen Richtlinien, die sich durch ständige Aktualisierungen der EU-Verbraucherschutzvorgaben ergeben. Händler kämpfen mit Fristen, die nicht mehr zeitgemäß sind, und mit Beweismitteln, die vor Gericht oft als unzureichend abgelehnt werden. Wenn eine Klausel gegen das Transparenzgebot verstößt, ist nicht nur die Klausel selbst hinfällig, sondern oft bricht das gesamte Vertragskonstrukt wie ein Kartenhaus zusammen, was den Weg für Abmahnvereine und spezialisierte Kanzleien ebnet.

Dieser Artikel wird die herrschenden Standards und Tests klären, die heute darüber entscheiden, ob Ihre AGB einer gerichtlichen Überprüfung standhalten. Wir beleuchten die Beweislogik hinter der wirksamen Einbeziehung, analysieren die gängigsten Stolpersteine im praktischen Ablauf und zeigen auf, wie eine angemessene Praxis aussieht, um sich gegen die drohende Welle von Abmahnungen zu immunisieren. Es geht nicht nur um Paragrafen, sondern um die prozessuale Sicherheit Ihrer geschäftlichen Basis.

Wichtige Entscheidungspunkte für die AGB-Konformität 2026:

  • Einbeziehungskontrolle: Wurden die AGB dem Kunden vor Abschluss des Kaufvertrags so bereitgestellt, dass er sie dauerhaft speichern kann?
  • Transparenzgebot: Sind die Klauseln auch für einen juristischen Laien verständlich und ohne Überraschungseffekt formuliert?
  • Haftungsausschlüsse: Entspricht die Begrenzung der Haftung den strengen Anforderungen des BGB bei Körper- und Gesundheitsschäden?
  • Widerrufslogik: Sind die Angaben zu Rücksendekosten und Fristen deckungsgleich mit der gesetzlichen Widerrufsbelehrung?

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Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2026.

Schnelldefinition: AGB sind für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierte Vertragsbedingungen, die eine Partei (der Verwender) der anderen Partei bei Abschluss eines Vertrags stellt.

Anwendungsbereich: Jeder gewerbliche Akteur im E-Commerce, der standardisierte Verkaufs- oder Dienstleistungsprozesse über eine Online-Plattform abwickelt.

Zeit, Kosten und Dokumente:

  • Erstellung/Prüfung: Ca. 4–12 Arbeitsstunden für eine spezialisierte Rechtsprüfung.
  • Kosten bei Abmahnung: Zwischen 1.200 € und 5.000 € pro Verstoß (zzgl. Vertragsstrafen).
  • Wichtige Dokumente: Aktueller Textstand, Versionierungsprotokoll, Nachweis der Bereitstellung (Log-Files).

Punkte, die oft über Streitigkeiten entscheiden:

  • Die Verwendung von unklaren Lieferzeitangaben wie “in der Regel innerhalb von 3 Tagen”.
  • Die Benachteiligung des Kunden durch einseitige Leistungsänderungsvorbehalte.
  • Fehlende Informationen zur Mängelhaftung (Gewährleistung) gegenüber Verbrauchern.

Schnellanleitung zu Online-Shop-AGB

  • Transparenz-Test: Jede Klausel muss so klar sein, dass keine Zweifel über die Rechte und Pflichten des Kunden bestehen.
  • Verbotsklauseln prüfen: Überprüfen Sie Ihre AGB auf Klauseln, die nach §§ 308, 309 BGB ohne oder mit Wertungsmöglichkeit verboten sind.
  • Beweissicherung der Einbeziehung: Der Kunde muss die AGB vor der Bestellung einsehen und unkompliziert speichern können (z. B. PDF-Link).
  • Klarheit bei Versandrisiko: Klauseln, die das Versandrisiko auf den Verbraucher abwälzen, sind unwirksam und führen direkt zur Abmahnung.
  • Widerrufs-Abgleich: Stellen Sie sicher, dass die AGB keine Klauseln enthalten, die das gesetzliche Widerrufsrecht einschränken oder modifizieren.

Allgemeine Geschäftsbedingungen in der Praxis verstehen

Die rechtliche Einordnung von AGB folgt im Jahr 2026 einer strikten Hierarchie. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Verträge im Internet “irgendwie anders” funktionieren würden. Tatsächlich greift das AGB-Recht des BGB hier mit voller Härte. In der Praxis bedeutet eine “angemessene” Praxis, dass der Händler den Kunden nicht durch ein unübersichtliches Dickicht an Bedingungen führt, sondern die wesentlichen Informationen dort bereitstellt, wo sie im Kaufprozess relevant werden.

Streitigkeiten entzünden sich oft nicht an der Existenz von AGB, sondern an deren inhaltlicher Schärfe. Wer versucht, seine Haftung für grobe Fahrlässigkeit komplett auszuschließen oder die Gewährleistungsfrist für Neuwaren unter zwei Jahre zu drücken, liefert die perfekte Steilvorlage für Wettbewerber. Die Beweislogik hat sich dahingehend verschoben, dass der Verwender der AGB im Streitfall nachweisen muss, dass die Klausel den Kunden nicht unangemessen benachteiligt.

Elemente einer belastbaren AGB-Struktur:

  • Geltungsbereich: Klare Definition, für welche Verträge und Personenkreise (B2B/B2C) die Bedingungen gelten.
  • Vertragsschluss: Exakte Beschreibung, wann der Kaufvertrag zustande kommt (z. B. durch Bestätigungs-E-Mail oder Versand).
  • Preise & Versand: Transparente Darstellung der Kostenbestandteile inklusive Mehrwertsteuer und Liefergebühren.
  • Eigentumsvorbehalt: Rechtssichere Formulierung des Eigentumsübergangs erst nach vollständiger Bezahlung.

Rechtliche und praktische Blickwinkel, die das Ergebnis verändern

Ein kritischer Faktor im Jahr 2026 ist die Dokumentenqualität. Es reicht nicht mehr, einen Link im Footer zu haben, der auf ein unstrukturiertes Textdokument verweist. Die Jurisdiktion fordert zunehmend Barrierefreiheit und eine klare Gliederung. Ein weiterer Aspekt sind Fristen: Klauseln, die dem Händler eine unangemessen lange Zeit zur Annahme eines Angebots einräumen, werden regelmäßig kassiert. In der Praxis hat sich ein Zeitfenster von maximal zwei Werktagen als Standard etabliert.

Die Basisberechnungen für Verzugszinsen und Mahngebühren müssen ebenfalls dem Gesetz entsprechen. Wer in seinen AGB pauschale Mahngebühren von 10 € festlegt, ohne dem Kunden den Nachweis eines geringeren Schadens zu ermöglichen, riskiert die Unwirksamkeit der gesamten Klausel. Diese juristische Detailarbeit entscheidet oft darüber, ob ein Inkassoprozess erfolgreich abgeschlossen werden kann oder bereits im Ansatz scheitert.

Mögliche Wege zur Lösung für die Beteiligten

Wenn eine Abmahnung eintrifft, ist schnelles, aber besonnenes Handeln gefragt. Der erste Schritt ist die Prüfung der Unterlassungserklärung. Oft ist diese zu weit gefasst und sollte modifiziert werden. Eine informelle Einigung ist im Wettbewerbsrecht selten, da Abmahnvereine oft auf die Erzielung von Vertragsstrafen in der Zukunft spekulieren. Daher ist die saubere Korrektur der AGB und deren prozessuale Dokumentation der einzige Weg zur dauerhaften Sicherheit.

Für Shopbetreiber empfiehlt sich die Nutzung von dynamischen AGB-Services, die bei Gesetzesänderungen automatisch Updates ausspielen. Dies reduziert das Risiko menschlicher Fehler bei der manuellen Pflege der Dokumente massiv. Dennoch bleibt der Betreiber in der Verantwortung, die technische Einbindung im Checkout regelmäßig auf ihre Funktionalität zu testen.

Praktische Anwendung von AGB-Audits in realen Fällen

Ein Audit der eigenen AGB sollte kein einmaliges Ereignis sein, sondern ein integraler Bestandteil der Qualitätssicherung. Der typische Ablauf bricht oft dort, wo IT-Anpassungen im Shop vorgenommen werden, ohne die rechtlichen Konsequenzen für die Vertragstexte zu prüfen. Eine inkonsistente Beweiskette führt im Streitfall dazu, dass der Händler nicht belegen kann, welche AGB-Version zum Zeitpunkt X für den Kunden Y gültig war.

  1. Bestandsaufnahme: Prüfen Sie alle im Shop angezeigten Texte auf Konsistenz mit den hinterlegten AGB.
  2. Klausel-Check: Identifizieren Sie “gefährliche” Formulierungen wie Haftungsausschlüsse oder starre Lieferfristen.
  3. Einbeziehung prüfen: Testen Sie den Checkout-Prozess: Sind die AGB mit einem Klick erreichbar? Ist die Checkbox (falls verwendet) rechtlich korrekt platziert?
  4. Versions-Protokoll: Archivieren Sie jede Änderung an den AGB mit Zeitstempel und Grund der Anpassung.
  5. Schriftliche Fixierung: Dokumentieren Sie die Rechtsgrundlage für jede Sonderklausel (z. B. bei Individualanfertigungen).
  6. Eskalationsplan: Definieren Sie Prozesse für den Fall einer Kundenbeschwerde oder einer formalen Abmahnung.

Technische Details und relevante Aktualisierungen

Technisch gesehen rückt im Jahr 2026 die Speicherbarkeit der AGB in den Fokus. Ein reiner Textlink reicht oft nicht aus, wenn der Browser des Kunden den Druck oder das Speichern als PDF blockiert oder die Formatierung zerstört. Hier sind Händler gut beraten, einen expliziten Download-Button anzubieten. Zudem müssen Mitteilungspflichten bezüglich der Streitbeilegungsplattform (OS-Link) exakt an den gesetzlich vorgeschriebenen Stellen platziert werden.

Relevante Aktualisierungen betreffen auch die Unterscheidung zwischen normaler Abnutzung und Mängeln bei digitalen Produkten. Hier müssen AGB heute spezifische Updates-Pflichten berücksichtigen. Wer diese technischen Details ignoriert, liefert Beweislücken, die bei einer Prüfung durch Verbraucherschutzverbände sofort zu Beanstandungen führen.

  • Schriftform-Ersatz: Die Textform (E-Mail) ist heute Standard, doch die AGB müssen dies explizit widerspiegeln.
  • Automatisierte Bestätigungen: Sorgen Sie dafür, dass die zum Zeitpunkt der Bestellung gültigen AGB als PDF an die Bestätigungsmail angehängt werden.
  • Gerichtsstandsklauseln: Diese sind gegenüber Verbrauchern im Inland fast immer unwirksam – streichen Sie diese zur Vermeidung von Abmahnungen.
  • Folgen bei Beweisverlust: Ohne technisches Logfile über die Akzeptanz der AGB steht Aussage gegen Aussage.

Statistiken und Szenario-Analyse

Die Analyse von Abmahnfällen im deutschen E-Commerce zeigt ein klares Bild über die Verteilung der Risiken. Die meisten Verfahren könnten durch einfache formale Anpassungen vermieden werden. Diese Szenariomuster dienen der Verdeutlichung der aktuellen Marktsituation im Jahr 2026, stellen jedoch keine individuelle rechtliche Prognose dar.

Verteilung der Abmahngründe in Online-Shop-AGB (2025/2026):

Unklare Lieferzeitangaben (38%)

Unzulässige Haftungsbegrenzungen (24%)

Fehlerhafte Mängelgewährleistungstexte (22%)

Fehlende OS-Link-Informationen (16%)

Vorher/Nachher-Analyse der Abmahnkosten:

  • Abmahnrisiko bei ungeprüften Templates: 45% → 12% nach professioneller juristischer Anpassung.
  • Erfolgsquote bei Verteidigung gegen Abmahnung: 15% → 65% bei vorliegender lückenloser Dokumentation.
  • Durchschnittliche Streitwertminderung: 10.000 € → 3.500 € durch proaktive Klauseloptimierung.

Überwachungspunkte (Metriken):

  • Versionskontrolle der AGB (Intervall in Monaten).
  • Klickrate auf AGB-Links im Checkout (Anzahl/Bestellungen).
  • Fehlermeldungen beim PDF-Download der AGB (Fehlerquote in %).

Praxisbeispiele für AGB-Stolperfallen

Erfolgreiche Rechtfertigung: Ein Shopbetreiber verwendet in seinen AGB die Klausel “Lieferung innerhalb von 3 Werktagen”. In einem Rechtsstreit mit einem Wettbewerber konnte er durch seine Warenwirtschaft nachweisen, dass dieser Zeitraum in 99% der Fälle eingehalten wird und die Formulierung für den Kunden hinreichend bestimmt ist. Erfolg durch Präzision und Datenbeleg.
Verlust im Streitfall: Ein Händler nutzt die Klausel “Lieferung erfolgt in der Regel kurzfristig”. Ein Abmahnverein klagt erfolgreich auf Unterlassung, da der Begriff “kurzfristig” zu vage ist und gegen das Transparenzgebot verstößt. Der Händler muss die Kosten des Verfahrens tragen und seine AGB unter Androhung einer Vertragsstrafe anpassen.

Häufige Fehler bei Online-Shop-AGB

Unklare Lieferzeiten: Die Verwendung von Begriffen wie “voraussichtlich” oder “in der Regel” führt mangels Bestimmtheit fast immer zur Abmahnung.

Haftungsausschluss für Körperschäden: Jede Klausel, die die Haftung für Verletzungen von Leben, Körper oder Gesundheit ausschließt oder begrenzt, ist unwirksam.

Einschränkung der Mängelhaftung: Wer gegenüber Verbrauchern die Gewährleistung bei Neuwaren auf ein Jahr verkürzt, handelt wettbewerbswidrig.

Salvatorische Klausel als Risiko: Veraltete salvatorische Klauseln können suggerieren, dass unwirksame Teile durch andere ersetzt werden, was dem Transparenzgebot widerspricht.

FAQ zu Online-Shop-AGB

Sind “Muster-AGB” aus dem Internet sicher?

Kostenlose Muster bieten oft nur eine Grundstruktur und sind selten auf die spezifischen Bedürfnisse eines Nischenshops oder auf die aktuellsten Urteile des laufenden Jahres zugeschnitten. Zudem fehlt oft die Haftungsübernahme durch den Ersteller des Musters.

In der Praxis führen veraltete Muster oft zu Abmahnungen, da sie neue Gesetze wie die EU-Omnibus-Richtlinie oder spezifische nationale Anforderungen an digitale Produkte nicht berücksichtigen. Ein individuelles Audit ist daher immer vorzuziehen.

Muss der Kunde die AGB per Checkbox bestätigen?

Rechtlich zwingend ist eine Checkbox nicht, solange die AGB “leicht erkennbar” in den Bestellprozess einbezogen werden. Dennoch hat sich die Checkbox als Standard zur Beweissicherung etabliert, da sie einen aktiven Handlungsschritt des Kunden dokumentiert.

Wichtig ist jedoch, dass die Checkbox nicht vorausgewählt sein darf. Eine vorangekreuzte Box wird rechtlich als nicht vorhanden gewertet und macht die Einbeziehung der AGB angreifbar, was im Streitfall zum Verlust des rechtlichen Schutzes führt.

Darf ich AGB-Klauseln aus anderen Shops kopieren?

Abgesehen von der urheberrechtlichen Problematik – AGB können als Sprachwerke geschützt sein – ist das Kopieren extrem gefährlich. Klauseln, die in einem Shop für Elektronik wirksam sind, können in einem Shop für Lebensmittel völlig unpassend oder unwirksam sein.

Zudem übernehmen Sie damit potenzielle Fehler des anderen Shops. Abmahnanwälte suchen gezielt nach identischen Fehlern über mehrere Webseiten hinweg, was Sie zum Teil einer systematischen Abmahnwelle machen kann.

Reicht ein Link zu den AGB in der Bestätigungsmail aus?

Ein Link allein ist problematisch, da er keinen dauerhaften Datenträger darstellt. Wenn Sie die AGB auf Ihrer Seite ändern, führt der Link in einer alten Mail auf die neue Version. Der Kunde muss jedoch die Version erhalten, die zum Zeitpunkt seines Kaufs gültig war.

Der sicherste Weg ist der Versand der AGB als PDF-Anhang in der Bestätigungs-E-Mail. Dies erfüllt die Anforderungen an die Bereitstellung auf einem dauerhaften Datenträger und sichert Ihre Beweisposition bei späteren Reklamationen.

Was passiert, wenn eine einzelne Klausel in meinen AGB unwirksam ist?

Nach § 306 BGB bleibt der Vertrag im Übrigen wirksam, wenn einzelne Bestimmungen nicht Bestandteil der AGB geworden oder unwirksam sind. Anstelle der unwirksamen Klausel treten die gesetzlichen Vorschriften ein.

Das Problem für den Händler ist jedoch, dass die gesetzlichen Regeln oft deutlich strenger sind als die gewünschten AGB-Regeln. Zudem stellt eine unwirksame Klausel fast immer einen Wettbewerbsverstoß dar, der abgemahnt werden kann.

Können AGB auch für B2B-Kunden anders gestaltet sein?

Ja, im B2B-Bereich ist die Vertragsfreiheit deutlich größer. Hier können beispielsweise Haftungsbeschränkungen weiter gefasst oder Gewährleistungsfristen einfacher modifiziert werden als gegenüber privaten Verbrauchern.

Dennoch dürfen auch im B2B-Verkehr keine überraschenden oder völlig unangemessenen Klauseln verwendet werden. Zudem muss im Shop technisch sichergestellt sein, dass der Kunde tatsächlich als Unternehmer handelt, bevor die B2B-AGB greifen.

Muss ich die AGB in mehreren Sprachen anbieten?

Wenn sich Ihr Shop explizit an Kunden in anderen Ländern richtet (z. B. durch eine englische Sprachversion der Seite), müssen auch die AGB in dieser Sprache verfügbar sein. Ein reiner Verweis auf deutsche Texte kann als Benachteiligung gewertet werden.

Wichtig ist hier die Übereinstimmung der Übersetzungen. Differenzen zwischen der deutschen und der englischen Fassung führen zu Unklarheiten, die im Zweifel zu Lasten des Verwenders (also des Händlers) ausgelegt werden.

Darf ich Mahnkosten in den AGB pauschalisieren?

Pauschalierungen sind möglich, aber sie dürfen den nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zu erwartenden Schaden nicht übersteigen. Zudem muss dem Kunden ausdrücklich der Nachweis gestattet werden, dass ein geringerer Schaden entstanden ist.

In der Praxis sind Pauschalen über 2,50 € pro Mahnung (ohne Portokosten) oft kritisch. Werden zu hohe Pauschalen ohne die gesetzlich geforderten Hinweise in die AGB aufgenommen, ist die gesamte Klausel unwirksam.

Wie oft sollte ich meine AGB rechtlich prüfen lassen?

Im dynamischen IT-Recht empfiehlt sich ein Audit mindestens einmal pro Jahr oder bei größeren Shop-Anpassungen. Oft ergeben sich durch neue Urteile des BGH oder EuGH kurzfristige Änderungsnotwendigkeiten, die sofort umgesetzt werden müssen.

Ein regelmäßiger Check schützt Sie vor den “Dauerbrennern” der Abmahnvereine. Wer drei Jahre lang dieselben Texte nutzt, handelt im aktuellen Marktumfeld von 2026 fahrlässig und provoziert rechtliche Auseinandersetzungen.

Ist eine Klausel zum Eigentumsvorbehalt in AGB zwingend?

Zwingend ist sie nicht, aber sie ist für den Händler von enormer Bedeutung. Sie sichert ab, dass die Ware bis zur vollständigen Bezahlung im Eigentum des Verkäufers bleibt. Ohne diese Klausel geht das Eigentum bereits mit der Übergabe der Ware über.

Im Falle einer Insolvenz des Käufers oder bei Zahlungsausfällen ermöglicht nur ein wirksamer Eigentumsvorbehalt die Herausgabe der Ware. Daher sollte diese Klausel in keinem seriösen AGB-Satz fehlen.

Referenzen und nächste Schritte

  • Audit einplanen: Überprüfen Sie Ihre aktuellen AGB auf vage Formulierungen bei Lieferzeiten und Haftung.
  • Technische Integration prüfen: Stellen Sie sicher, dass die AGB im Checkout-Prozess fehlerfrei angezeigt und gespeichert werden können.
  • Beweissicherung optimieren: Implementieren Sie ein Versionierungstool für alle Rechtstexte auf Ihrem Server.
  • Rechtsschutz klären: Prüfen Sie, ob Ihre Betriebshaftpflicht oder eine spezielle E-Commerce-Versicherung Abmahnkosten abdeckt.

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Rechtliche Grundlagen und Rechtsprechung

Die zentrale Rechtsgrundlage für AGB findet sich in den §§ 305 bis 310 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Hier sind die Anforderungen an die Einbeziehung und die inhaltliche Kontrolle detailliert geregelt. Ergänzend dazu spielt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) eine entscheidende Rolle, da unwirksame AGB-Klauseln fast immer als unlautere geschäftliche Handlungen eingestuft werden.

Maßgebliche Impulse kommen regelmäßig vom Bundesgerichtshof (BGH) und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Besonders die Rechtsprechung zum Transparenzgebot (Art. 5 der Klauselrichtlinie) hat die Hürden für wirksame AGB massiv erhöht. Wer Beweise für eine faire Vertragsgestaltung liefern will, muss sich an diesen höchstrichterlichen Standards orientieren.

Autoritätszitate und weiterführende Informationen können auf den offiziellen Portalen des Bundesministeriums der Justiz (gesetze-im-internet.de) oder bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv.de) abgerufen werden. Diese Quellen bieten auch aktuelle Warnungen vor spezifischen Abmahnwellen.

Abschließende Betrachtung

AGB sind im Online-Handel des Jahres 2026 weit mehr als nur lästige “Standardtexte”. Sie bilden das juristische Rückgrat Ihres Unternehmens. Eine saubere, menschlich verständliche und rechtlich präzise Formulierung schützt Sie nicht nur vor Abmahnungen, sondern stärkt auch das Vertrauen Ihrer Kunden. In einer Ära der digitalen Vergleichbarkeit ist Rechtssicherheit ein echter Wettbewerbsvorteil.

Betrachten Sie die Pflege Ihrer Vertragsbedingungen nicht als einmalige Pflichtübung, sondern als kontinuierlichen Prozess der Risikominimierung. Wer seine Hausaufgaben bei der Beweislogik und der Transparenz macht, kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, anstatt wertvolle Zeit und Ressourcen in Rechtsstreitigkeiten zu investieren.

Aspekte, die oft das Ergebnis bestimmen:

  • Die Präzision der Formulierungen bei Liefer- und Zahlungsbedingungen.
  • Die Lückenlosigkeit der technischen Dokumentation der AGB-Einbeziehung.
  • Die Schnelligkeit der Anpassung an neue höchstrichterliche Urteile.
  • Vermeiden Sie vage Zeitangaben wie “baldmöglichst” oder “kurzfristig”.
  • Senden Sie Ihre AGB immer als PDF-Anhang in der Bestätigungs-E-Mail mit.
  • Lassen Sie Ihre Texte mindestens einmal jährlich durch einen Fachanwalt für IT-Recht prüfen.

Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Experten.

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