Scheidung einreichen Voraussetzungen und formaler Ablauf des Verfahrens
Rechtssichere Einleitung des Scheidungsverfahrens zur Vermeidung von Formfehlern und langjährigen Vermögensverlusten im Familienrecht.
Wenn eine Ehe scheitert, beginnt für die Beteiligten oft eine Phase der emotionalen und organisatorischen Überforderung. Im echten Leben gehen hier die ersten entscheidenden Schritte oft schief, weil das rechtliche Fundament fehlt. Viele Ehepaare unterliegen dem Missverständnis, dass eine Scheidung „einfach so“ beim Familiengericht eingereicht werden kann, ohne die strengen formalen Voraussetzungen des deutschen Rechts zu beachten. Dies führt nicht selten zu unnötigen Verfahrensverzögerungen, zusätzlichen Gerichtskosten und einer Eskalation, die durch frühzeitige Transparenz vermeidbar gewesen wäre.
Die Verwirrung rührt meist von vagen Richtlinien und inkonsistenten Praktiken in der Trennungsphase her. Besonders das sogenannte Trennungsjahr wird häufig falsch interpretiert oder es fehlen schlichtweg die notwendigen Beweislücken, um den Beginn der Trennung rechtssicher zu dokumentieren. Ohne eine klare Strategie verwandelt sich ein eigentlich einvernehmlicher Prozess schnell in eine kostspielige Schlammschlacht, bei der am Ende nur die Anwaltsgebühren gewinnen, während die persönlichen Ressourcen der Parteien aufgezehrt werden.
Dieser Leitfaden wird Licht in das prozedurale Dunkel bringen. Wir klären die notwendigen Standards der Beweisführung, die logische Abfolge der Arbeitsschritte und den praktischen Ablauf von der ersten Trennungsnacht bis zum rechtskräftigen Scheidungsbeschluss. Ziel ist es, den Prozess so zu gestalten, dass er für alle Beteiligten entscheidungsreif und belastbar ist, um unnötige Abzüge bei den Rentenanwartschaften oder Streitigkeiten über den Versorgungsausgleich zu minimieren.
Essenzieller Fahrplan für den Verfahrensbeginn:
- Fixierung des Trennungsdatums: Dokumentieren Sie den Auszug oder die Trennung „von Tisch und Bett“ schriftlich gegenüber dem Partner.
- Dokumentenprüfung: Stellen Sie die Heiratsurkunde und Geburtsurkunden der Kinder im Original bereit; ohne diese ist kein Antrag möglich.
- Anwaltszwang: In Deutschland herrscht vor dem Familiengericht Vertretungszwang – mindestens der Antragsteller benötigt zwingend einen Anwalt.
- Verfahrenskostenhilfe (VKH): Prüfen Sie frühzeitig, ob Ihr Einkommen für eine staatliche Förderung des Prozesses qualifiziert ist.
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Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2026.
Schnelldefinition: Ein Scheidungsantrag ist der formelle Schriftsatz eines Anwalts an das zuständige Familiengericht, um eine Ehe nach Ablauf des Trennungsjahres rechtlich aufzulösen.
Anwendungsbereich: Gilt für alle in Deutschland geschlossenen Ehen oder Paare mit gewöhnlichem Aufenthalt im Inland, die das Zerrüttungsprinzip erfüllen.
Zeit, Kosten und Dokumente:
- Dauer: 4 bis 12 Monate bei Einvernehmlichkeit.
- Kosten: Abhängig vom Verfahrenswert (Nettoeinkommen beider Partner x 3).
- Dokumente: Stammbuch, Einkommensbelege der letzten 3 Monate, Rentenversicherungsverläufe.
Punkte, die oft über Streitigkeiten entscheiden:
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- Der Nachweis der wirtschaftlichen Trennung (getrennte Konten, keine gemeinsamen Versicherungen mehr).
- Die korrekte Berechnung des Anfangsvermögens für den Zugewinnausgleich.
- Die Vollständigkeit der Auskünfte zum Versorgungsausgleich (Rentenrechte).
- Die Einhaltung der Zustellungsvorschriften durch das Gericht.
Schnellanleitung zum Scheidungsantrag
Der Beginn einer Scheidung folgt einer strengen Beweishierarchie. Bevor ein Gericht überhaupt tätig wird, müssen bestimmte Grenzwerte überschritten sein. Eine „Blitzscheidung“ ist in der deutschen Jurisdiktion nur in extremen Härtefällen vorgesehen; für 95 % aller Paare ist Geduld die wichtigste prozedurale Tugend.
- Trennungsjahr-Check: Haben Sie seit mindestens 10 Monaten getrennt gelebt? Erst dann ist die Einreichung durch den Anwalt taktisch sinnvoll.
- Mandatierung: Suchen Sie einen Fachanwalt für Familienrecht, der Erfahrung mit Ihrer spezifischen Vermögenskonstellation hat.
- Gütertrennung prüfen: Klären Sie, ob ein Ehevertrag existiert, der den Zugewinn bereits regelt – das spart Tausende Euro an Gerichtskosten.
- Kommunikationsstopp: Vermeiden Sie in hitzigen Phasen informelle Absprachen per WhatsApp, die später gegen Sie als Schuldeingeständnis gewertet werden könnten.
Scheidung einreichen in der Praxis verstehen
In der täglichen Rechtspraxis ist die Scheidung weit mehr als nur das Ende einer Liebesbeziehung; sie ist die Abwicklung einer Wirtschaftsgemeinschaft. Das Gericht prüft nach dem Zerrüttungsprinzip (§ 1565 BGB), ob die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass sie sie wiederherstellen. In der Praxis bedeutet „angemessen“, dass die Trennung nach außen hin sichtbar ist. Dies kann auch innerhalb der gemeinsamen Wohnung geschehen, sofern „Tisch und Bett“ konsequent getrennt sind.
Streitigkeiten entzünden sich normalerweise nicht am „Ob“ der Scheidung, sondern am „Wie“ der Verteilung. Hier kommen die Folgensachen ins Spiel. Dazu gehören Unterhalt, Sorgerecht, Umgangsrecht und die Aufteilung der Haushaltsgegenstände. Ein sauberer Ablauf zeichnet sich dadurch aus, dass diese Punkte bereits vor dem ersten Gerichtstermin durch eine Scheidungsfolgenvereinbarung notariell beurkundet wurden. Das Gericht muss dann nur noch über die eigentliche Scheidung und den Versorgungsausgleich entscheiden.
Strategische Wendepunkte im Streitfall:
- Auskunftsansprüche: Nutzen Sie den gesetzlichen Anspruch auf Offenlegung aller Vermögenswerte zum Stichtag der Zustellung des Antrags.
- Stichtagsprinzip: Das Vermögen am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags bestimmt die Höhe des Zugewinns – taktisches Warten oder frühes Einreichen kann hier Zehntausende Euro Differenz bedeuten.
- Beweishierarchie: Schriftliche Belege (Kontoauszüge) schlagen Zeugenaussagen (Nachbarn) in 99 % der Fälle.
Rechtliche und praktische Blickwinkel, die das Ergebnis verändern
Die Jurisdiktion spielt eine oft unterschätzte Rolle. Je nach Wohnsitz der Ehegatten kann die Zuständigkeit des Familiengerichts variieren, was insbesondere bei internationalen Ehen zu „Forum Shopping“ führen kann – der Suche nach dem für die eigene Seite günstigsten nationalen Recht. Auch die Dokumentenqualität ist kritisch: Unleserliche Kopien oder fehlende Übersetzungen ausländischer Urkunden können ein Verfahren um Monate blockieren, bevor der erste Richter die Akte überhaupt aufschlägt.
Ein weiterer Faktor sind die Basisberechnungen für den Unterhalt. Die Düsseldorfer Tabelle bietet zwar einen Richtwert, doch individuelle Abzüge für berufsbedingte Aufwendungen oder Kredite erfordern eine präzise mathematische Aufarbeitung durch den Anwalt. Wer hier schlampig arbeitet, riskiert, dass der Richter einen angemessenen Selbstbehalt falsch ansetzt, was zu jahrelangen finanziellen Engpässen führen kann.
Mögliche Wege zur Lösung für die Beteiligten
Der Königsweg ist die einvernehmliche Scheidung. Hierbei beauftragt nur einer der Partner einen Anwalt, während der andere dem Antrag lediglich zustimmt. Dies reduziert die Anwaltskosten um 50 % und beschleunigt das Verfahren massiv. Sollte die Kommunikation jedoch gestört sein, kann eine Mediation helfen, die emotionalen Barrieren abzubauen, bevor der Rechtswegstrategie der Vorzug gegeben wird.
Wenn alle gütlichen Versuche scheitern, bleibt nur die streitige Scheidung. Hierbei werden alle Folgensachen im sogenannten Verbundverfahren gemeinsam verhandelt. Dies ist die aufwendigste Strategie, da jede Position (z.B. der Wert einer Immobilie) durch Gutachter verifiziert werden muss. Die Eskalation sollte daher erst erfolgen, wenn die Akte wirklich „entscheidungsreif“ ist und alle außergerichtlichen Einigungsversuche nachweislich gescheitert sind.
Praktische Anwendung der Scheidungseinreichung
Der typische Ablauf einer Scheidung bricht meist an der Stelle, an der die Kommunikation über Finanzen beginnt. Viele Paare schaffen es noch, sich über das Sorgerecht zu einigen, scheitern aber am Versorgungsausgleich oder an der Bewertung des gemeinsamen Hauses. Ein sequenzielles Vorgehen ist hier der beste Schutz vor Chaos.
- Stichtag fixieren: Bestimmen Sie den exakten Tag der Trennung und prüfen Sie, ob die 12-Monats-Frist zum geplanten Einreichungszeitpunkt sicher abgelaufen ist.
- Beweispaket schnüren: Sammeln Sie Gehaltsabrechnungen, Renteninformationen und Belege über Sonderschulden (z.B. Autokredit), um den Verfahrenswert korrekt zu ermitteln.
- Antragserstellung: Der Anwalt verfasst den Antrag und reicht ihn beim Familiengericht ein; Sie müssen zu diesem Zeitpunkt bereits den Gerichtskostenvorschuss begleichen.
- Zustellung und Erwiderung: Das Gericht stellt den Antrag dem Partner zu. Dieser hat nun die Möglichkeit, über einen eigenen Anwalt zuzustimmen oder eigene Anträge zu stellen.
- Versorgungsausgleich-Formulare: Beide Parteien müssen detaillierte Fragebögen zu ihren Rentenanrechten ausfüllen – dieser Schritt dauert oft am längsten (3-5 Monate).
- Gerichtstermin: Der Richter lädt beide Ehegatten zur persönlichen Anhörung. Hier wird die Zerrüttung bestätigt und der Scheidungsbeschluss verkündet.
Technische Details und relevante Aktualisierungen
Ein wesentlicher Punkt im modernen Scheidungsrecht sind die Mitteilungspflichten gegenüber den Versorgungsträgern. Seit den letzten Reformen wird der Versorgungsausgleich (der Ausgleich der Rentenanwartschaften) fast immer von Amts wegen durchgeführt, es sei denn, die Ehe dauerte weniger als drei Jahre oder es wurde notariell darauf verzichtet. Die Detaillierungsstandards für die Auskunftserteilung sind hoch; jede Lücke im Versicherungsverlauf führt zu Rückfragen der Rentenversicherung, die den Prozess um Wochen verzögern.
- Einzelaufführung von Vermögen: Erbschaften und Schenkungen müssen als privilegiertes Anfangsvermögen einzeln nachgewiesen werden, um sie vom Zugewinn abzuziehen.
- Rechtfertigung des Werts: Bei Immobilien ist ein Verkehrswertgutachten oft unumgänglich, wenn sich die Parteien nicht auf einen Marktwert einigen können.
- Abnutzung vs. Schaden: Bei der Teilung des Hausrats gilt das Prinzip der Zeitwertberechnung; emotionale Werte spielen juristisch keine Rolle.
- Verspätete Beweise: Wer Unterlagen zu spät einreicht, riskiert, dass das Gericht diese wegen Präklusion (Verspätung) nicht mehr berücksichtigt.
Statistiken und Szenario-Analyse
Die Analyse realer Scheidungsszenarien zeigt klare Muster. Einvernehmliche Verfahren dominieren statistisch, während hochstreitige Fälle die Justizkapazitäten binden. Diese Daten sind Szenariomuster und dienen der Orientierung über typische Abläufe.
Verteilung: Einvernehmliche Scheidungen (68%) – Erfolgreich durch Kooperation und Vorfeldvereinbarungen.
Verteilung: Teil-streitige Verfahren (22%) – Einigung über Scheidung, Streit über einzelne Folgensachen wie Unterhalt.
Verteilung: Hoch-konfliktive Verfahren (10%) – Langjährige Prozesse mit mehreren Gutachten und Instanzen.
Vorher/Nachher-Indikatoren der Verfahrensdauer:
- Digitale Einreichung & Cl@ve: 12 Monate → 7 Monate (Zeitersparnis durch schnellere Kommunikation mit Versicherern).
- Notarielle Folgenvereinbarung: 100 % Streitpotenzial → 5 % (Reduktion auf formelle Bestätigung).
- Fehlende Rentenauskunft: +4 Monate Verzögerung pro fehlendem Beitragsjahr.
Überwachungspunkte für den Erfolg:
- Verfahrenskosten: Reduktion um bis zu 40 % bei Verzicht auf unnötige Gutachten.
- Reaktionszeit: Beantwortung von Gerichtsanfragen innerhalb von 14 Tagen sichert den Zeitstrahl.
- Vollständigkeitsquote: 100 % der Dokumente beim ersten Termin vermeiden Vertagungen.
Praxisbeispiele für den Scheidungsstart
Ein Paar trennt sich im Januar 2025. Sie vereinbaren sofort getrennte Konten und dokumentieren dies. Im Dezember 2025 reicht der Anwalt den Antrag ein. Da alle Rentenunterlagen bereits vorliegen und keine Immobilien streitig sind, wird die Scheidung im Mai 2026 rechtskräftig. Erfolg: Niedrige Kosten, kurze Dauer.
Ein Partner reicht den Antrag nach nur 9 Monaten Trennung ein, ohne Beweise für das Trennungsdatum. Der andere Partner bestreitet das Ende der Ehe. Das Gericht vertagt den Termin zur Beweisaufnahme. Zusätzlich fehlen Auskünfte über eine betriebliche Altersvorsorge. Folge: Verfahrensdauer über 2 Jahre, doppelte Gerichtskosten.
Häufige Fehler beim Scheidung einreichen
Zu frühes Einreichen: Wer den Antrag deutlich vor Ablauf des Trennungsjahres stellt, riskiert die kostenpflichtige Abweisung des Antrags durch den Richter.
Verschweigen von Vermögen: Entdeckt das Gericht oder die Gegenseite versteckte Konten, drohen nicht nur zivilrechtliche Nachteile, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen wegen Prozessbetrugs.
Fehlender Anwaltszwang: Der Versuch, ohne Anwalt vor dem Familiengericht zu erscheinen, führt zur Handlungsunfähigkeit und zum Verlust von Ausschlussfristen.
Emotionale statt juristische Argumentation: Richter interessieren sich für Zahlen und Daten, nicht für die moralische Schuld am Scheitern der Beziehung (Abschaffung des Schuldprinzips).
FAQ zum Scheidungsantrag
Muss ich für die Scheidung zwingend ausgezogen sein?
Nein, eine Trennung kann rechtlich auch innerhalb der gemeinsamen Wohnung vollzogen werden. Voraussetzung dafür ist die konsequente Trennung der Lebensbereiche, was im Fachjargon oft als „Trennung von Tisch und Bett“ bezeichnet wird.
In diesem Fall müssen Sie nachweisen können, dass keine gemeinsamen Mahlzeiten, keine gemeinsame Wäschepflege und keine gemeinsamen Freizeitaktivitäten mehr stattfinden. Ein schriftliches Protokoll oder Zeugenaussagen sind hier ein wichtiges Beweismittel für das Gericht.
Wie hoch sind die Kosten für eine Scheidung mindestens?
Die Kosten richten sich nach dem Verfahrenswert, der gesetzlich aus dem dreifachen Netto-Monatseinkommen beider Ehegatten zum Zeitpunkt der Antragstellung berechnet wird. Hinzu kommen pauschale Werte für den Versorgungsausgleich und etwaige Folgensachen.
Selbst bei geringem Einkommen fallen Gerichtskosten und Anwaltsgebühren an, die meist im niedrigen vierstelligen Bereich beginnen. Wer über keine finanziellen Mittel verfügt, sollte über seinen Anwalt Verfahrenskostenhilfe (VKH) beantragen, um die Kosten vom Staat decken zu lassen.
Kann ich die Scheidung ohne Anwalt einreichen?
In Deutschland besteht vor den Familiengerichten ein gesetzlicher Anwaltszwang für den Antragsteller. Das bedeutet, dass Sie ohne die Unterschrift eines zugelassenen Rechtsanwalts keinen wirksamen Scheidungsantrag stellen können.
Nur bei einer rein einvernehmlichen Scheidung kann der Antragsgegner auf einen eigenen Anwalt verzichten, um Kosten zu sparen. Dennoch bleibt die professionelle Vertretung für den Initiator des Verfahrens eine zwingende prozedurale Voraussetzung.
Was passiert beim Versorgungsausgleich genau?
Beim Versorgungsausgleich werden die während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften zwischen den Ehegatten hälftig geteilt. Dies betrifft gesetzliche Renten, betriebliche Altersvorsorgen und private Rentenverträge.
Das Gericht holt hierzu Auskünfte bei allen relevanten Versicherungsträgern ein. Da die Berechnung komplex ist und oft manuelle Kontenklärungen erfordert, ist dieser Teil der technisch aufwendigste und zeitintensivste Faktor des gesamten Scheidungsprozesses.
Gibt es eine Möglichkeit für eine Blitzscheidung?
Eine Scheidung ohne Einhaltung des Trennungsjahres ist nur in extremen Härtefällen nach § 1565 Abs. 2 BGB möglich. Hierbei muss die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller aus Gründen, die in der Person des anderen Ehegatten liegen, unzumutbar sein.
Typische Beispiele sind schwere häusliche Gewalt, massive Bedrohungen oder eine neue Schwangerschaft aus einer fremden Beziehung. Die Beweislast liegt hierbei vollständig beim Antragsteller und wird von den Gerichten sehr streng geprüft.
Wer zahlt die Gerichtskosten bei der Scheidung?
Im Scheidungsverfahren werden die Gerichtskosten in der Regel gegeneinander aufgehoben. Das bedeutet, dass jeder Ehegatte die Hälfte der Gerichtskosten trägt und seine eigenen Anwaltskosten selbst bezahlt.
Der Antragsteller muss jedoch zunächst den gesamten Gerichtskostenvorschuss einzahlen, damit das Gericht überhaupt tätig wird. Eine Erstattung der hälftigen Kosten erfolgt dann nach Abschluss des Verfahrens im Rahmen des Kostenausgleichs.
Was ist, wenn der Partner die Scheidung verweigert?
Wenn ein Partner der Scheidung nicht zustimmt, kann die Ehe dennoch geschieden werden, wenn die Trennung bereits seit drei Jahren besteht. In diesem Fall wird die Zerrüttung unwiderlegbar vermutet.
Nach Ablauf des ersten Trennungsjahres und vor Ablauf der drei Jahre muss der Antragsteller beweisen, dass die Ehe unheilbar zerrüttet ist. Die Verweigerung der Zustimmung führt also zu einer Verzögerung, kann die Scheidung aber langfristig nicht verhindern.
Muss ich zum Scheidungstermin persönlich erscheinen?
Ja, das Familiengericht ordnet in der Regel das persönliche Erscheinen beider Ehegatten an. Der Richter muss sich persönlich davon überzeugen, dass die Voraussetzungen für die Scheidung vorliegen und die Beteiligten die Tragweite verstehen.
Nur in Ausnahmefällen, etwa bei einem Wohnsitz im Ausland oder schwerer Krankheit, kann von der persönlichen Anhörung abgesehen werden oder diese per Videoschaltung erfolgen. Die Anwesenheitspflicht dient dem Schutz der Parteien vor übereilten Entscheidungen.
Wie wird das gemeinsame Haus bei der Scheidung bewertet?
Die Bewertung einer Immobilie erfolgt zum Stichtag der Zustellung des Scheidungsantrags. Idealerweise einigen sich die Partner auf einen Marktwert, um die Kosten für einen Sachverständigen zu sparen.
Können sie sich nicht einigen, bestellt das Gericht einen unabhängigen Gutachter. Der ermittelte Wert fließt dann in die Berechnung des Zugewinnausgleichs ein, wobei bestehende Belastungen (Hypotheken) vom Wert abgezogen werden.
Verliere ich meinen Nachnamen nach der Scheidung?
Nein, die Scheidung hat keinen automatischen Einfluss auf Ihren Familiennamen. Sie behalten den Ehenamen auch nach dem rechtskräftigen Scheidungsbeschluss bei, sofern Sie keine Änderung wünschen.
Sie haben jedoch die Möglichkeit, Ihren Geburtsnamen oder einen früheren Namen wieder anzunehmen. Hierzu ist eine formelle Erklärung gegenüber dem zuständigen Standesamt erforderlich, die erst nach Rechtskraft der Scheidung wirksam wird.
Referenzen und nächste Schritte
- Unterlagen-Check: Prüfen Sie die Vollständigkeit Ihrer Rentenversicherungsverläufe und fordern Sie fehlende Zeiten beim Träger an.
- Erstberatung: Vereinbaren Sie einen Termin bei einem Fachanwalt, um Ihren individuellen Verfahrenswert schätzen zu lassen.
- Vermögensaufstellung: Erstellen Sie eine Liste aller Sachwerte und Schulden zum Zeitpunkt der Trennung als Basis für den Zugewinn.
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Rechtliche Grundlagen und Rechtsprechung
Die rechtliche Basis für die Scheidung findet sich primär im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den §§ 1564 bis 1587 sowie im Gesetz über das Verfahren in Familiensachen (FamFG). Diese Normen definieren sowohl die materiellen Voraussetzungen (Zerrüttung) als auch den formellen Ablauf des Prozesses vor Gericht. Die Bedeutung von Fakten und Beweisen kann hierbei nicht hoch genug eingeschätzt werden, da das Gericht keine eigenen Ermittlungen zur emotionalen Qualität der Ehe anstellt, sondern rein nach Aktenlage und Anhörung entscheidet.
Die Relevanz präziser Formulierungen zeigt sich besonders beim Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG). Fehler in der Angabe von Versicherungskontonummern oder veraltete Auskünfte führen zwingend zur Vertagung des Termins. Offizielle Informationen und Broschüren zur rechtlichen Einordnung bietet das Bundesministerium der Justiz (BMJ) unter BMJ.de an.
Abschließende Betrachtung
Eine Scheidung einzureichen ist ein bürokratischer Kraftakt, der einen kühlen Kopf erfordert. Wer den Prozess als rein rechtliche Abwicklung begreift und die emotionalen Aspekte in die Hände von Mediatoren oder Therapeuten legt, kommt schneller und kostengünstiger an das Ziel der Rechtskraft. Die Vorbereitung ist hierbei die halbe Miete: Ein gut sortierter Ordner mit allen Belegen ist das beste Werkzeug, das Sie Ihrem Anwalt an die Hand geben können.
Langfristig betrachtet ist die korrekte Einleitung des Verfahrens die Basis für einen fairen Neuanfang. Ob es um die Absicherung der Altersvorsorge oder die Vermeidung von unnötigem Stress für die Kinder geht – eine transparente Strategie zahlt sich immer aus. Verlassen Sie sich nicht auf Hörensagen, sondern auf verifizierte Daten und Fristen, um Ihre rechtliche Position zu sichern.
Kernpunkt 1: Dokumentieren Sie das Trennungsdatum schriftlich, um Diskussionen vor Gericht zu vermeiden.
Kernpunkt 2: Nutzen Sie das Trennungsjahr zur außergerichtlichen Klärung von Unterhalt und Hausrat.
Kernpunkt 3: Die Vollständigkeit der Rentenunterlagen ist der wichtigste Zeitfaktor für den Scheidungsbeschluss.
- Sammeln Sie alle Heirats- und Geburtsurkunden im Originalordner.
- Erstellen Sie eine Übersicht Ihres Nettoeinkommens der letzten 12 Monate.
- Markieren Sie das Ende des Trennungsjahres fett in Ihrem Kalender.
Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Experten.

